Tag 7/1: Filme gucken

So, also, Sonntag. Die Uhren ticken wieder etwas langsamer, der kalte Rauch der letzten Nacht hängt leise unter der Decke, Kaffee und Cola vertreiben den Wunsch nach Schlaf. So bleibt rund um die Mittagszeit ein bisschen Muse für das Kurzfilmfestival. Stündlich wechselnde Themen geben dem steten Fluss an Bildern einen Hauch von Struktur, von den letzten Takten „Young Animations“ geht es über „Mental States“ und „Narration“ hin zu „Advertisement & VFX“, „Music & Images“ und „Experimental“. Wie immer kommen die Einreichungen aus aller Welt, teilweise erscheinen Länderkürzel, deren Erklärungen sich einem geographisch mittelmäßig informierten Menschen wie mir nur via Wikipedia erschließen.

Wie sehr ich diese Vielfalt sowohl in den Inhalten als auch in den Techniken mag. Wo vor einigen Jahren doch die allgegenwärtigen CGI etwas die Oberhand gewonnen hatten, springen die Künstler mittlerweile munter zwischen den Genres und Werkzeugen hin und her. Realfilm, CGI, Stopmotion, Zeichentrick, Puppenspiel, für jeden ist was dabei. Die entstehenden Bildsprachen reichen entsprechend von nahezu dokumentarischen Sequenzen bis zur Abstraktion oder gar dem Surrealismus. Und immer wieder sind es Kombinationen aus alledem. In loser Folge und ohne den prinzipiell zum Scheitern verurteilten Versuch, die Bedeutung der Bilder innerhalb des jeweiligen Films schlüssig zu erklären, hier ein paar Schnappschüsse:

Ein paar Trends sind mir aber doch aufgefallen. So flimmern des Öfteren Figuren und Kulissen über die Leinwand, die entweder tatsächlich mit Stift gezeichnet und mit Schere ausgeschnitten sind oder zumindest via Computer täuschend echt diese Ästhetik nachahmen. Kennt man ja aus dem Printbereich der letzten ein oder zwei Jahre und ist natürlich nicht ganz neu, in der Häufung aber doch eine Erwähnung wert. Das andere, was mehrfach auftaucht, ist der kreative Umgang mit Motion Capturing. Egal ob als Open Source Projekt zum Marketing einer japanischen Girlieband oder in Form poetisch-abstrakter Animationsfilme. Schon cool, was man alles auf das Drahtgittermodell eines sich bewegenden Menschen mappen kann. Bunte, morphende Stäbe auf die Salti und Schrauben von Turmspringern? Geschenkt! Post-Its auf die Tanzperformance dreier Japan-sucht-den-Superstar-Gewinnerinnen? Aber klar doch! Gepunktete Linien auf die FlicFlacs eines Bodenturners? Ja sicher!

Etwas, das mir persönlich diesesmal entsprach, waren die vielen organischen und fließenden Bewegungen in den reinen CGIs. Alles im Fluss, alles verändert sich, alles trägt Leben in sich und entwickelt sich aus sich selbst heraus weiter. Auge, Faust, passt!

Bevor es jetzt aber zu intellektuell wirkt: Man kann auch einfach nur zuschauen und Spaß haben. Sowohl Filmemacher als auch Publikum scheuen keineswegs einen naheliegenden Gag. Es wurde des Öfteren laut gelacht…

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