Tag 3: In Passau geht's bergauf

ESSEN!! Nein, ich hab mich nicht großräumig verfahren, es geht um die schnöde Nahrungsaufnahme. Erstaunlich, dass man den ganzen Tag essen kann, sich abends den Bauch vollschlägt und am nächsten Morgen dennoch mit dem Gefühl der Leere und knurrendem Magen aufwacht. Ganz abgesehen davon, dass ich heute rund fünf Liter getrunken hab, dreieinhalb davon unterwegs auf den knapp 100km von Straubing nach Passau. Und um die Frage gleich zu klären: Ja, es geht wirklich erheblich bergauf, lässt sich aber mit passender Übersetzung schaffen.

Heute ging es die meiste Zeit der Sonne entgegen. Zuerst gen Osten, später umschwenkend richtung Süden. Und lange Zeit dem Sonnenstand entsprechend, unser Zentralgestirn brannte mir also über Stunden unerbittlich ins Gesicht und auf das schütter werdende Haupthaar. Die Schäden halten sich dank Lichtschutzfaktor 25 in Grenzen, die Mischung aus Schweiß und Sonnenmilch brennt aber in den Augen wie Sau. Macht nix, der Weg entschädigte abermals für die Strapazen. Wie gehabt, immer wieder eher langweilige Transitstrecken, dazwischen aber mehr als genug Eindrücke, die die Mühe allemal wert sind:

Neben dem reinen Gewässer bin ich auch diversen fliegenden Vertretern begegnet: Fischreiher, Libellen im Paarungsflug, lustige kleine Vögel mit lustigen kleinen Liedern, große weiße Transportflugzeuge. Irgendwo bei Vilshofen muss es eine Trainingseinrichtung für angehende Transallpiloten geben. Jedenfalls kreiste die Maschine heute rund 10 Minuten (wechselweise mit aus- und eingeklapptem Fahrwerk) wie ein Riesengeier über mir und begleitete mich bis zur Stadt. Mit etwas Mühe und einem beherzten Zwischenspurt konnte ich ihm entkommen.

So sehr ich die Demokratie als kleinstes Übel der bisher getesteten Staatsformen verteidigen möchte, so enervierend wirkt die Kumulation von Plakaten während des Wahlkampfs. Nein, ich hab mir keinen einzigen der Slogans gemerkt. Die reine Masse an bemüht-freundlich blickenden, mir völlig unbekannten Gesichtern schwächt die kognitiven Leistungen bis nahe der Bewusstlosigkeit. Oder anders ausgedrückt: Ich Kann Sie Nicht Mehr Sehen!!

Wie nennt man eigentlich jemand, der aus Winzer kommt? Winzerer? Und heißt seine Gattin/Tochter/Geliebte/Sandkastenfreundin dann Winzererin? Oder einfach nur Josefa?

Einmal hab ich mich dann doch verfahren, ganz so weit wollte ich eigentlich nicht. Vielleicht hätt ich hinterm Mond links abbiegen sollen. Durch eine glückliche Krümmung der Raumzeit (da haben wir ihn wieder, den Albert) versetzte mich ein freundlich gesinntes Wurmloch aber ohne weiteren Kommentar zurück auf die staubige Donaupiste. Was alles passieren kann, wenn man sich der Lichtgeschwindigkeit nähert...

Passau also, gut angekommen (wieder mal eine halbe Stunde früher als gedacht), einen kurzen Abstecher in die Fußgängerzone gemacht und dann hoch zu Manu. An dieser Stelle: Vielen allerbesten Dank für die Gastfreundschaft! Dusche, Essen, Trinken, Bett, alles in großen Mengen vorhanden, ich freu mich schon, mich bei Gelegenheit zu revanchieren. Also zurück zu Passau: Sehr schön gelegen, an der Mündung von Inn, Donau und Ilz, umrahmt von bewaldeten Hügeln. Mit einer wunderschönen alten Altstadt (mal von dem Barockmonster namens Dom abgesehen), malerischen Flußauen und einer nicht minder schönen Promenade zu beiden Seiten. Und dann kriegt man gezeigt, bis wohin vor 3 Monaten die Wassermassen standen. Und kann es nicht fassen. Echt. Wir sind am Inn entlang gelaufen, dessen Pegel geschätzt 5 Meter unter unserem Weg lag. Links dann eine rund 3 Meter hohe Mauer, ein Gefühl von „da geht nix drüber“. Und dann die Info, dass der Scheitel locker 2 Meter drüber lag. Es gibt in der Altstadt (also wirklich schon ein ganzes Stück erhöht) Gassen, da hängen in etwa 4 Meter Höhe Schilder über der Straße. Und ebendiese Schilder waren unter Wasser. An vielen Stellen waren die ersten Stockwerke überschwemmt, es riecht noch nach feuchten Mauern und aus mehreren Häusern hört man das Geräusch der Trocknungsgebläse. Baustellen gibt’s eh noch genug. Heftig. Weil ich nicht recht wusste, welche Bilder ich zu diesen Eindrücken machen soll und weil die größten Schäden natürlich längst beseitigt sind und weil… einfach ein paar Schnappschüsse aus der Stadt:

Und jetzt die Beichte: Das letzte Stück morgen fahr ich mit dem Zug. Die Strecken waren alle etwas länger als gedacht, durch die vielen Windungen der Donau waren es bisher rund 320km. Und weil morgen schon AE ist und ich nicht erst nachmittags ankommen möchte, gönn ich mir den Luxus. Es bleibt ja noch der Rückweg. Also ab morgen erstmal keine Donaubilder mehr, sondern Kunst der meist elektronischen Art. Wir werden sehen.

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