Tag 1: Von der Rednitz an die Donau

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wobei, der meinige eher mit dem ersten Tritt. Nachdem das Wochenende ohne nachhaltige Vorbereitungen verstrich (o.k., Socken und Unterwäsche hab ich schonmal im Wohnzimmer gestapelt), mussten Sonntag Abend und Montag früh herhalten. Aber man nimmt eh immer viel zu viel mit und wenn man jedes Gramm mit eigner Beine Kraft bewegen muss, ist weniger definitv mehr!

Gut gepackt war der Drahtesel trotzdem. Warum hab ich mir eigentlich ein extra leichtes Rad gekauft, wenn es dann unter der Last von Anbauteilen und Reiseutensilien zu zerbersten droht? Egal, Laune gut, Wetter passabel, Wind aus Nordsüdost, alle Segel gesetzt. Schade nur, dass vor der großen Freiheit einiges städtisches Kopfsteinpflaster steht. So ganz ungefedert geht das auf den Steiß, trotz gepolsterter Fahrradfahrerwindelhose.

Erstes Ziel: Auffahrt zum RMD-Kanal. Ein Kanal heißt Kanal, weil er Dinge (bevorzugt Wasser) kanalisiert. Nebennutzen dieser Kanalisierung ist, dass auch die parallel verlaufenden Radwege ausgesprochen kanalförmig verlaufen. Will heißen: Gradeaus, keine Steigung, maximale Abwechslung ist eine Schleuse. Von denen es rund um Nürnberg gefühlt 150 gibt. Was landschaftlich wenig Erbauliches bietet, hat den Vorteil der optimierten Reisegeschwindigkeit. Die ersten 50km waren weg wie nix!

Wobei ich der Wasserstraße etwas Unrecht tue, es waren erstaunlich viele und vielfältige Tiere unterwegs. Hasen, Enten, Habichte, Schwäne, Hunde, Ratten und natürlich Gänse. Letztere scheinen als einzige das Kreuz zu haben, den Radlern Paroli zu bieten. Unbeirrt drauf zufahren? Erstmal ohne Wirkung. Klingel? Verhallt in den Weiten der mittelfränkischen Wiesen. Mit Schmackes rein in den Haufen? Hab ich mich nicht getraut, am Ende bleiben die tatsächlich sitzen - im Gegensatz zu mir. Wir haben uns auf ein Unentschieden geeinigt, und nachdem ich den Vögeln versprochen habe, sie in heroischem Licht in meinem Blog zu erwähnen, bildeten sie doch eine schmale Gasse und ermöglichten mir die Weiterfahrt. Glück gehabt...

War jemand schon mal in Berching? Ich bisher noch nicht. Allerdings liegt es an der richtigen Stelle für eine kleine Mittagspause, insofern ist es durchaus der Erwähnung wert. Und natürlich, weil es einer der schönsten Orte in der ganzen Oberpfalz ist!!! (nicht, dass hier noch ein Berchinger mitliest) Erwähnenswert auch, dass nicht weit dahinter Dietfurt liegt, das weit über die Grenzen des Freistaats hinaus für den Zusammenfluss von Altmühl und RMD-Kanal bekannt ist. Ganz ohne Ironie: Ein nettes Örtchen, vor allem aber wurde ab da die Landschaft deutlich schmucker. Mäandernde Altwasser winden sich durch verwunsche Büsche, Nebel liegt über den silbernen Wogen der Altmühl, hinter knorrigen alten Weiden sitzen stumm und regungslos Angler und messen ihre Geduld mit dem uralten Barsch.

O.K., das mit dem Nebel war erfunden, aber sonst wirklich ein schöner Flecken Erde. Seht selbst:

Was das Bild mit dem "Schongewässer"-Schild soll? Es soll vor allem den Blick dafür schärfen und den Geist öffnen, dass ein Gewässer nicht immer blau und flüssig sein muss. Grünzeugs tut's auch.

Örtlich im Moment nicht mehr ganz exakt einordnen kann ich, was durchaus ein paar Zeilen und Bilder wert ist: die längste Holzbrücke Europas! Zumindest stand das auf dem Schild und das Teil ist echt nicht schlecht. Hat was von einem Dinosaurierhals, aber viel viel länger. Die Brücke schwingt sich weich über den Kanal, dazu noch rechts und links lange Ausleger. Eine sehr organische Form. Die ganze Breite lässt sich mit einem Handy nicht recht einfangen, für einen Eindruck sollte es reichen:

Aber genug in schönen Bildern geschwelgt, der Alltag kann durchaus hart sein. Zumindest für mich als Mittelstreckennovizen sind 120km im Sattel schon ein Wort. Ab irgendwann kann die Landschaft gar nicht mehr so schön sein, als dass sie den Kräfteverschleiß aufwiegte. Glückerweise - wie so oft im Leben - lag das Ziel näher als gedacht, die letzten 20km vergingen nahezu wie im Flug. Gut eine halbe Stunde früher als kalkuliert erhob sich die Skyline von Kelheim aus dem malerischen Tal und schwamm die Donau von rechts aus auf mich zu. An der Stelle noch nicht ganz der breite Strom, den man z.B. aus Wien kennt, aber schon ein ordentliches Bächlein. Weiß jemand, welche von Ludwig I erbaute Halle sich auf dem Michelsberg über Kelheim dem geneigten Touristen offenbart? Genau, die Befreiungshalle. Irgendwie eine Mischung aus Klassizismus und antiken Vorbildern, aber ich hab mir den Text auf der Schautafel nicht so ganz merken können. Wer Bilder sehen will, möge das Internet befragen, für mein Handy war das Ding deutlich zu weit weg.

Also rein nach Kelheim, schnurstracks zur Tourist Info und dort ausgesprochen freundlich und zuvorkommend empfangen worden. Ich mein', das ist ein durchaus schmuckes Städtchen und meine Klamotten sowie vermutlich auch mein Gesicht waren von den vielen Schotterwegen deutlich gezeichnet. Aber die Damen sind solche Gestalten vermutlich gewohnt, in mehreren Telefonaten hat eine von ihnen sich alle Mühe gegeben, mir als alleinreisendem Herren noch ein halbwegs bezahlbares Hotelzimmer zu vermitteln. Echt cool, hab mich richtig gefreut über den Empfang! Nach der Dusche im Hotel war Zeit für ein bisschen bummeln, zugegebenermaßen scheint hier nach 18:00 Uhr die besagte Katze das Zeitliche bereits gesegnet zu haben. Aber wurschd, hätt' ich Menschen haben wollen, wär ich nach Berlin gefahren! Sehr ruhig, sehr schön anzuschauen, ein paar nette Ecken und insgesamt eher "aufgeräumt". Ein paar Schnappschüsse:

Jedenfalls war das Abendessen gut und das Bett scheint bequem, der Tag findet einen würdigen Abschluss. Morgen früh dann ausgiebiges Frühstück, die nächste Etappe planen (glücklicherweise werden mir für den Rest 80km-Tage reichen) und dann los. Freu mich schon sehr auf die Strecke an der Donau, da sind bestimmt ein paar schöne Ecken dabei. Und wer mag, kann morgen Abend hier wieder die Zusammenfassung des Tages lesen. Bis dahin!

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